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2. Zum generellen Verständnis von Corporate Social Responsibility in Deutschland
 
Nachdem in Deutschland auf relativ wenig (wissenschaftliche) Literatur zum Thema CSR zurückgegriffen werden kann, kann das Verständnis von CSR in Deutschland über theoretische Definitionen hinaus, über Statements verschiedener Unternehmensvertreter zu dieser Thematik verdeutlicht werden. Genauso wird das derzeitige „deutsche“ Verständnis von CSR durch Äußerungen von Repräsentanten/Vereinigungen von Unternehmen zur europäischen CSR-Debatte, genauer zum "Grünbuch: Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen", deutlich.
Nach Definitionen aus der deutschen Literatur heißt CSR z.B.:
 
"Die Unternehmung verpflichtet sich gegenüber der Gesellschaft, d.h. allen Mitmenschen, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um aktiv durch richtiges Handeln die Idee eines sinnvollen menschlichen Lebens zu fördern (Göbel 1992, S. 61)."
 
oder
 
"Die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmung ist in der Berücksichtigung von vier unterschiedlichen Teil-Verantwortungen zu sehen. Diese umfassen neben einer wirtschaftlichen und gesetzlichen Verantwortung, eine moralische Verantwortung sowie eine darüber hinausgehende freiwillige Verantwortung" (Dyllick 1992, S. 95).
 
Definitionen deutscher in der Praxis stehender Unternehmer machen besonders deutlich, wie CSR, im Alltagshandeln unter den real gegebenen Rahmenbedingungen verstanden und praktiziert wird.
 
Dr. Raimund Medrisch, BMW Group, München:
CSR ist die "Summe aller Verantwortungen eines Unternehmens, sei es nun auf politischem, sozialem oder ökologischem Gebiet. Der Gedanke ist der des Gebens und des Nehmens. Die Gesellschaft schafft viele Voraussetzungen, damit Unternehmen wirtschaften können, dafür bekommt Sie etwas zurück." (vgl. echo – the communication research group 2001, S. 43)
 
Dr. Stefan Lütgens , Kraft Foods Deutschland, Bremen:
"CSR hat mit der Verantwortung von Unternehmen für gesellschaftliche und soziale Belange zu tun. Dabei ist es auch nach innen gerichtet, betrifft also auch Regelungen wie Teilzeitarbeit etc. [...] Es geht auch darum, als Unternehmen Werte für das eigene Verhalten zu definieren, da kommt dann der ethische Aspekt noch hinzu" (echo – the communication research group 2001, S. 47).
 
Dr. Elisabeth Alteköster, Volkswagen AG, Brüssel
"CSR ist die Antwort auf die Frage, was der Unternehmenssektor zur Lösung gesellschaftlicher Probleme über die gesetzliche Verpflichtung hinaus beitragen kann. Aber nicht im Sinne von Altruismus oder sozialem Sponsoring, sondern in der Verknüpfung von wirtschaftlichem Eigeninteresse und sozialem Nutzen." (echo – the communication research group 2001, S. 47)
 
Aufgrund der europäischen Debatte zur CSR kommt der Definition des Grünbuchs für Deutschland eine wichtige Bedeutung zu. Die Relevanz des Grünbuchs für Deutschland wird durch dessen Beachtung und durch die Stellungnahmen von deutschen Unternehmens- und Verbandsrepräsentanten deutlich. Im Grünbuch wird die CSR als ein Konzept definiert
 
"das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren. Sozial verantwortlich handeln heißt nicht nur, die gesetzlichen Bestimmungen einhalten, sondern über die bloße Gesetzeskonformität hinaus ‚mehr’ investieren in Humankapital, in die Umwelt und in die Beziehungen zu anderen Stakholdern." (Europäische Kommission, Generaldirektion Beschäftigung & Soziales 2001, S. 7)
 
Diese Definition und dieses Verständnis steht soweit auch in keinem Gegensatz zum inländischen Verständnis von CSR.
 
 
Die interne und externe Dimension der sozialen Verantwortung
 
Das letzt genannte Statement zur Sozialen Verantwortung in Unternehmen (SVU) impliziert es: es gibt eine interne und externe Dimension der Sozialen Verantwortung, dies beantwortet bereits grundlegend die Frage, wem gegenüber soziale Verantwortung gezeigt werden soll:
 
Die interne Dimension der SVU
ist nach innen in das Unternehmen gerichtet. Sie betrifft in erster Linie die Arbeitnehmer. Dabei geht es um Fragen wie Investitionen in Humankapital, Arbeitsschutz und Bewältigung des Wandels (z.B. Umgang mit Ängsten der Mitarbeiter durch Umstrukturierungen, vermeiden von Betriebsschließungen) und umweltbewusstes Handeln im Umgang mit den in der Produktion verwendeten natürlichen Ressourcen.
 
Die externe Dimension der SVU
reicht über das "Werkstor" hinaus. Sie bezieht sich auf die lokalen Gemeinschaften und bezieht neben den Arbeitnehmern und den Aktionären eine Vielzahl weiterer Stakeholder ein: Geschäftspartner und Zulieferer, Kunden, Behörden, lokale Gemeinschaften ebenso wie den Umweltschutz vertretende NRO. Die externe Dimension macht zudem nicht an den nationalen und europäischen Grenzen halt (vgl. Europäische Kommission, Generaldirektion Beschäftigung & Soziales 2001, S. 9 u. 12).
 
Gerade mit der externen Dimension wird auch ein weiterer Begriff im Rahmen der CSR angesprochen, der (erst) ca. seit 3 Jahren verstärkt auch in Deutschland thematisiert und zur Umsetzung gebracht wird. Der Begriff "Corporate Citizenship", "Corporate Citizenship (CC) beschreibt die Rolle des Unternehmens als ‚Bürger’ im Gemeinwesen, dessen ‚bürgerschaftliches’ Engagement strategisch in die Unternehmensentwicklung eingebunden ist" (Damm/Lang 2001, S. 19), oder auch:
 
[Corporate Citizenship] "ist der Versuch, ein Unternehmen auf möglichst vielfältige Weise positiv mit dem Gemeinwesen zu verknüpfen, in dem es tätig ist. Das Unternehmen soll sich wie ein guter Bürger für die Gemeinschaft engagieren, es soll ein good Corporate Citizen (Bürger) sein" (Westebbe 1995, S. 13).
 
Der Begriff CC wird teils synonym zum Begriff der CSR verwandt, er ist jedoch (vor allem in Deutschland) jüngeren Datums und geht damit auch auf neuere Entwicklungen ein: er betont mehr das Engagement aus dem Bürgerstatus des Unternehmens (mit Rechten und Pflichten) heraus. Eine Differenzierung der Begriffe wird teilweise insofern begründet, dass CSR als die übergeordnete, europäische Idee, mit weltweitem Anspruch und weltweiter Verantwortung betrachtet wird und sich CC mehr auf das lokale wirtschaftliche Handeln bezieht.
 
Ein weiterer Begriff der eine sehr große Nähe zur Sozialen Verantwortung aufweist und in Deutschland die CSR-Debatte intensiviert und begünstigt, ist der Begriff der "Nachhaltigkeit bzw. des nachhaltigen Wirtschaftens".
Dabei wird der Zusammenhang zw. CSR und Nachhaltigkeit unterschiedlich ausgelegt. Zum einen wird CSR besonders mit der sozialen Dimension des magischen Dreiecks (Soziales, Ökologisches, Ökonomisches) verbunden:
 
 
 
Reinhold Kopp, Generalbevollmächtigter und Leiter Regierungsbeziehungen der Volkswagen AG:
 
"Für uns ist Corporate Social Responsibility also so etwas wie die Konkretisierung der Nachhaltigkeit im sozialen Bereich. Wir sehen uns eingebettet in dieses magische Dreieck aus ökonomischer Verantwortung, ökologischer Verantwortung und sozialer Verantwortung. Wir haben diese drei Ziele zu integrieren, in ein gegenseitig stabiles System zu bringen" (Aktion Gemeinsinn e.V. 2002, S. 28).
 
 
 
Zum anderen werden unter CSR vor allem die Dimensionen Ökologie und Soziales subsumiert, diese Dimensionen werden unter anderem auch im Grünbuch vor allem unter CSR thematisiert. Dabei lässt sich für Deutschland feststellen, dass der Umwelt- und Naturschutz die am weitesten und intensivsten ausgebaute Dimension der CSR ist - wie an vielen Stellen betont wird – und die Dimension des Sozialen bisher noch als "Stiefkind" zu betrachten ist (vgl. European Commission 2002, S. 12; Gray 1999, S. 11 u. 45; o.A..: CSR in Germany 2001, S. 16).
 

 

 
An anderer Stelle kann CSR als mit Nachhaltigkeit gleichgesetzt verstanden werden:
 
"Corporate Social Responsibility und Business Social Responsibility betonen die weltweite Verantwortung von Unternehmen als Teil der Welt-Gesellschaft. Der Anspruch ist international und sehr weit formuliert. Er umfasst wirtschaftliches Handeln von der Gewinnung und Produktion (an den unterschiedlichen Produktionsstandorten) bis zur Konsumtion (Gewährleistung selbst auferlegter Standards gegenüber den Kunden) [Hervorheb. durch die Verf.]. CSR bezieht sich auf die Bereiche Umwelt und Fair Trade sowie die Einhaltung sozialer Standards (insbesondere auch in den Ländern der so genannten Dritten Welt). Das CSR-Konzept beruht auf der Vorstellung einer nachhaltigen Entwicklung [Hervorheb. durch die Verf.]." (Mutz u.a. 2001, S. 16)
 

CSR kann damit als Beitrag der Wirtschaft bzw. der Unternehmen zur nachhaltigen Entwicklung verstanden werden (vgl. European Commission 2002, S. 12).
 
Die problematische und teilweise widersprüchliche Definition von CSR, CC und ähnlichen Begriffen, erschwert eine allgemeingültige von CSR für Deutschland. Im Projekt COSORE wird CSR weniger direkt als Nachhaltigkeit definiert (wenn auch als Beitrag und integraler Bestandteil derselben), sondern es werden theoretisch und inhaltlich schwerpunktmäßig die Dimensionen Soziales und Ökologie angesprochen. Es ist dabei selbstverständlich, dass die ökonomische Dimension nicht an sich ausgeschlossen werden kann, da die anderen Dimensionen mit der ökologischen Dimension vereinbar sein müssen. Welche Dimension (Soziale oder Ökologische) in der direkten und praktischen Arbeit mit den KMU von besonderer Bedeutung sein wird, wird sich aus den Bedürfnissen der KMU ergeben.
 
 
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Weitere Kapitel:
 
3. Ausprägungen und Inhalte der CSR-Debatte und -Umsetzung in Deutschland
3.a Interne und externe CSR
3.b Unternehmensexterne Gründe und Entwicklungen die für die Übernahme Sozialer Verantwortung durch Unternehmen sprechen
3.c Unternehmensinterne Gründe und (wirtschaftliche) Nutzenerwartungen begründet durch Umsetzung der SVU
4. Soziale Verantwortung und Corporate Citizenship eines deutschen Unternehmens am Beispiel der Siemens AG
5. CSR der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland
Anhang 1
Anhang 2
Quellenverzeichnis
 
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